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Helfer unterwegs - Schriftzug
Gesundheit in Burkina Faso
Burkina Faso

16.000 Kinderleben werden gerettet

Gesundheitsversorgung in Burkina Faso
Mehr als 90 % der Geburten finden heute unter medizinischer Betreuung statt.

Es hat jahrelange Pionier- und Überzeugungsarbeit durch Help und seine Partner gebraucht, aber am Ende ging es doch schneller, als wir uns erhofft hatten: Ab dem 2. April wird in Etappen bis Anfang Juni die Gesundheitsversorgung für Kinder unter 5 Jahren und für schwangere Frauen in ganz Burkina Faso kostenfrei und vom Staat subventioniert. Burkina Faso ist eins der ärmsten Länder der Welt, in dem die Mütter- und Kindersterblichkeit nach wie vor skandalös hoch ist: jedes zehnte Kind stirbt vor seinem fünften Geburtstag und burkinische Frauen haben ein 85mal größeres Risiko bei der Geburt zu sterben, als deutsche. Dabei war die Gesundheitsversorgung bisher für alle kostenpflichtig. Das heißt, dass eine Malariabehandlung für ein Kleinkind für viele Familien nur sehr schwer zu finanzieren oder schlichtweg unerschwinglich ist. Dabei verläuft eine nicht behandelte Malaria oft genug tödlich. Geburten waren zwar subventioniert, aber die Kosten, die bei einer Geburt unter medizinischer Betreuung auf eine Familie zukommen, sind schwer vorherzusehen. Das führt dazu, dass nach wie vor viel zu viele Frauen in Burkina Faso (33%, in vielen ländlichen Regionen deutlich mehr) ihre Kinder zu Hause bekommen, was bei Komplikationen fatal ist.  

Über 90 % der Geburten finden unter medizinischer Betreuung statt

Gesundheit für Kinder
Wir sind froh und stolz die Sterblichkeitsrate um 16 % senken zu können.

Um gegen die Mütter- und Kindersterblichkeit anzukämpfen, führt Help seit 2008 flächendeckend in zwei Distrikten in der Verwaltungsregion Sahel, Dori und Sebba, mit insgesamt ca. 550.000 Einwohnern ein Pilotprojekt durch, das von ECHO finanziert wird. Hierbei subventionieren wir in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium und den lokalen Gesundheitsbehörden die Behandlung für Kinder unter 5 Jahren und schwangere und stillende Frauen in den öffentlichen Gesundheitszentren zu 100%. Vor Projektbeginn sah ein Kind in den beiden Distrikten nur alle zwei Jahre ein Gesundheitszentrum von innen, heute sind es drei bis viermal pro Jahr. Das bedeutet, dass es heute sobald es krank wird auch behandelt wird, was vorher bei Weitem nicht der Fall war. Zwischen 90 und 100% der Geburten finden heute unter qualifizierter medizinischer Betreuung statt, vor 2008 waren das nur knapp 40%.

Zukünftig wird die Kindersterblichkeitsrate um 16% gesenkt

Gesundheitsprojekte in Burkina Faso
Kristina Rauland mit einem burkinischen Kleinkind.

Von Anfang an war es Ziel des Projekts, auf seinen Ergebnissen unsere Lobbyarbeit für eine Generalisierung der Maßnahme durch den burkinischen Staat für das ganze Land zu erreichen. Dort, wo nicht Help oder eine seiner Partnerorganisationen die Kostenfreiheit finanziert, herrschen ja vorwiegend die gleichen schlechten Zustände wie in den Distrikten Dori und Sebba vor 2008. Um unsere Ergebnisse wissenschaftlich zu untermauern, hat die Universität Montreal im Zusammenhang mit dem Projekt zahlreiche Studien zur Wirkung durchgeführt (Einzelheiten unter www.equitesante/helpburkina), u.a. wurde bewiesen, dass die Kindersterblichkeit in nur einem Jahr um 16% gesenkt wurde. Auf ganz Burkina Faso übertragen würde das ca. 16.000 gerettete Kinderleben in nur einem Jahr bedeuten.  

Kindern Perspektiven bieten
Unser Projekt in Burkina Faso ist ein voller Erfolg!

Und dieses Ziel ist jetzt ganz nah. Während des Wahlkampfes letztes Jahr haben wir gemeinsam mit burkinischen und internationalen Partnerorganisationen wie amnesty Burkina, Terre des hommes und Save the children eine große Lobbykampagne organisiert. Es sollte erreicht werden, dass sich die Kandidaten klar zum Kampf gegen die Mütter- und Kindersterblichkeit bekennen, dass sie sich verpflichten, mittelfristig die allgemeine Krankenversicherung einzuführen, in der Kinder unter 5 Jahren und schwangere Frauen von der Beitragspflicht ausgenommen sind und als Übergangsmaßnahme bis dahin die gleichen Gruppen von der Bezahlung der Gesundheitsversorgung ausnehmen. Die Kampagne hatte Erfolg. Bei mehreren Anlässen in Diskussionsrunden mit unseren Spezialisten in Radio und Fernsehen, sowie schließlich im Parteiprogramm der heutigen Mehrheitspartei, die den Präsidenten und auch den Gesundheitsminister stellt, konnten wir klare Bekenntnisse zu Maßnahmen zur Mütter- und Kindersterblichkeit erreichen.

Gesundheitsprojekt Burkina Faso
Unsere Arbeitsgruppe.

Nach hundert Tagen im Amt hätten wir die Regierung medienwirksam daran erinnert. Aber bevor die hundert Tage herum waren, erließ der Ministerrat am 2. März die Einführung der kostenlosen Gesundheitsversorgung für Kinder unter 5 Jahren und schwangere und stillende Frauen ab dem 2. April! Die Freude bei Help Burkina war sehr groß. Das Ziel, auf das wir seit acht Jahren hinarbeiten, und das anfangs fast unrealistisch schien, weil die ehemalige Regierung lange Zeit nichts von der Maßnahme hielt, war nun erreicht. Allerdings hatten wir einige Bedenken, dass die flächendeckende Einführung in ganz Burkina Faso innerhalb eines Monats zu überstürzt war und dass durch mangelnde Vorbereitung der Erfolg der kostenlosen Gesundheitsversorgung gefährdet sein könnte. Gut, dass Help sich seit Jahren vorbereitet hatte: neben Wirkungsstudien konnten wir mit Konzepten, Kostenrechnungen und Kommunikationsplänen dienen, die wir dem Gesundheitsministerium zur Verfügung stellen konnten.  

Ministerrat Burkina Faso
Am 2. März erließ das Ministerrat die ersehnte Einführung der kostenlosen Versorgung!

Während wir gerade eine Dringlichkeitssitzung mit unseren Lobbypartnern planten, wurde die Lobbygruppe gleich am Tag nach dem Ministerrat vom Gesundheitsminister einbestellt. Dieser bat uns um tatkräftige Unterstützung in der Erarbeitung der Strategie zur kurzfristigen Umsetzung der Kostenfreiheit. Er verriet uns außerdem, dass diese schnelle Entwicklung durchaus den Pioniererfahrungen in einigen Distrikten sowie dem Druck der Gruppe während des Wahlkampfes zu verdanken war. Die Einberufung der Arbeitsgruppe folgte postwendend, und zwei unserer Mitarbeiter verbrachten die folgenden zwei Wochen praktisch Tag und Nacht im Gesundheitsministerium, um an den Umsetzungsplänen mitzuarbeiten.

Wir sind froh und stolz

Ab dem zweiten April wird der uneingeschränkte finanzielle Zugang zur Gesundheitsversorgung in drei von 13 Regionen Burkina Fasos Wirklichkeit. Die Region Sahel ist darunter. Die anderen Regionen folgen nach und nach bis zum 2. Juni. Wir sind sehr froh und stolz auf unsere maßgebliche Rolle in diesem so wichtigen Prozess für die Kinder und Frauen in Burkina Faso!  

Und wie geht es für unsere Projekte weiter?

Der Distrikt Dori wird ab dem zweiten April in das staatliche System eingegliedert. Im Distrikt Sebba führen wir ein neues Pilotprojekt durch, auch wieder mit Finanzierung von ECHO. Es handelt sich hierbei um eine Simulation der allgemeinen Krankenversicherung in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsministerium und dem Gesundheitsministerium. Und wenn Help dieses Pilotprojekt in Angriff nimmt, dann darf man davon ausgehen, dass die flächendeckende Umsetzung der allgemeinen Krankenversicherung nur noch eine Frage der Zeit ist. :-)

Viele Grüße, eure Kristina