Studie zu Ebola im Kongo: Vertrauen entscheidet über die Epidemie

Mitarbeitende von UGEAFI klären Schulkinder in Süd-Kivu zur Ebola-Prävention auf

Die Demokratische Republik Kongo erlebt derzeit ihren 17. Ebola-Ausbruch – erstmals seit Jahren ohne verfügbaren Impfstoff. Eine gemeinsame Studie mit unserer Partnerorganisation UGEAFI aus der Provinz Ituri zeigt: Fast alle Menschen dort kennen die Krankheit und halten sie für gefährlich. Ob sie die Schutzmaßnahmen mittragen, hängt trotzdem an etwas ganz anderem – daran, ob sie den Helfenden vertrauen.

Eine Epidemie ohne Impfstoff

Seit Mai 2026 gilt in der Demokratischen Republik Kongo der nationale Gesundheitsnotstand. Bis zum 9. September wurden 6.843 bestätigte Ebola-Fälle und 3.310 Todesfälle gemeldet – das entspricht einer Letalität von 48 Prozent. Die Provinz Ituri ist mit rund 86 Prozent aller bestätigten Fälle das Epizentrum.

Entscheidend für die Arbeit vor Ort ist der Ebola-Erreger: Es handelt sich um den Bundibugyo-Stamm, gegen den bislang weder ein zugelassener Impfstoff noch eine spezifische Therapie existiert. Die Bekämpfung ist damit auf klassische Maßnahmen zurückgeworfen – Früherkennung, Kontaktnachverfolgung, sichere Bestattungen, Hygiene. Keine davon funktioniert ohne die aktive Mitwirkung der Bevölkerung.

Vertrauen wiegt schwerer als Wissen

Für die Studie befragte UGEAFI zwischen Juli und August 2026 in den Gesundheitszonen Rimba, Logo und Angumu 890 Erwachsene und 46 Einsatzkräfte, führte 24 Einzelinterviews und zehn Gruppendiskussionen und verortete jeden Fragebogen per GPS.

Das zentrale Ergebnis: Wo das Vertrauen in die Institutionen hoch ist, liegt die Bereitschaft, Schutzmaßnahmen mitzutragen, bei 80 Prozent. Wo es niedrig ist, sinkt sie auf 51 Prozent. Wissen über die Krankheit erklärt die Unterschiede dagegen kaum – 881 der 890 Befragten hatten von Ebola gehört und erkannten sie als reale, übertragbare Krankheit an. 

Deutlich stärker wirkt der Glaube an kursierende Gerüchte: Er halbiert die Wahrscheinlichkeit, dass jemand die Schutzmaßnahmen mitträgt. Alter, Geschlecht und Bildungsniveau haben demgegenüber keinen messbaren eigenen Einfluss.

Eine Wissenslücke bleibt allerdings brisant: Ein Drittel der Befragten glaubt fälschlich, es gebe einen Impfstoff gegen den zirkulierenden Stamm, oder weiß es nicht. Viele Menschen warten also auf eine Impfung, die es nicht gibt. Bleibt sie aus, entsteht der Verdacht, die Einsatzkräfte hielten den Impfstoff absichtlich zurück.

Die Schwachstelle: Kontaktnachverfolgung

Drei von vier abgefragten Verhaltensweisen finden breite Zustimmung: Erkrankte ins Behandlungszentrum bringen (81 %), Verdachtsfälle melden (77 %), sichere Bestattungen akzeptieren (74 %). Beim vierten bricht die Zustimmung ein: Nur 53,8 Prozent der Befragten würden die Namen von Kontaktpersonen weitergeben – in der Zone Logo sind es 27,6 Prozent.

Die Interviews erklären, warum. Wer Namen nennt, setzt Angehörige der Isolation, dem Misstrauen der Nachbarn und wirtschaftlichen Verlusten aus. Ein Betroffener schildert, dass jeder Tag ohne Feldarbeit ein Tag ohne Einkommen sei – manche verschwiegen Symptome aus genau diesem Grund. Stigmatisierung trifft Familien selbst nach negativen Tests noch. Mehr Aufklärung ändert daran nichts; nur die Senkung dieser sozialen Kosten tut es.

Der wunde Punkt: die Bestattungen

Am schärfsten zeigt sich der Vertrauensbruch dort, wo Schutzmaßnahmen auf Trauerrituale treffen. Die Befragten sollten auf einer Skala von 1 bis 5 angeben, wie sehr sie der Aussage zustimmen, dass die Einsatzteams die Verstorbenen würdevoll behandeln – 5 bedeutet volle Zustimmung. In Rimba liegt der Mittelwert bei 4,49, in Logo nur bei 2,63. Dort überwiegt also die Überzeugung, dass es an Respekt fehlt. Besonders Frauen, denen traditionell die Totenwaschung obliegt, erleben das Verbot als doppelten Verlust.

Die Studie zeigt aber auch, was hilft: Sobald Familien vorab informiert werden, den Ort mitbestimmen, ein Gebet sprechen oder einen Vertreter benennen dürfen, sinkt die Spannung – ohne dass die Sicherheit leidet.

Was das für die Prävention bedeutet

Für unsere Arbeit mit UGEAFI ist die zentrale Erkenntnis der Studie, dass die betroffenen Gemeinschaften im Mittelpunkt der Maßnahmen stehen müssen – nicht als bloße Begünstigte, sondern als echte Partner bei deren Konzeption, Umsetzung und Überwachung.

Entscheidend ist die frühzeitige Einbindung kommunaler, religiöser und traditioneller Führungspersonen sowie Heilpraktiker:innen vor Ort – besonders von Frauen. Sie können bei der Ebola-Bekämpfung die Früherkennung unterstützen, Quarantänemaßnahmen erklären und für sichere, aber auch würdevolle Beerdigungen sorgen. Eine enge Zusammenarbeit mit der lokalen Zivilgesellschaft ist dafür zwingend notwendig. 

Vertrauen lässt sich zudem gewinnen, indem die betroffenen Familien in Entscheidungen – etwa über die Gestaltung von Beerdigungen – einbezogen werden, indem Transparenz geschaffen wird und indem Informationslücken geschlossen werden, durch die sich Falschmeldungen und Gerüchte sonst leicht ausbreiten.

  • Ebola-Studie 2026
    Hier finden Sie die vollständige Ebola-Studie von Help und UGEAFI (in französischer Sprache). Öffnen
Christoph van Edig

Christoph van Edig koordiniert die Projekte von Help in der Demokratischen Republik Kongo. Gemeinsam mit unserem Partner UGEAFI plant und evaluiert er die Maßnahmen zur Bekämpfung des Ebola-Virus. Er verfügt über 20 Jahre Arbeitserfahrung in acht afrikanischen Ländern.

Zuletzt geändert am von Christoph van Edig