Wie die Help Localisation Facility arbeitet

Ein humanitärer Helfer und eine ukrainische Dame

Die Help Localisation Facility (HLF) basiert auf einem Modell der gemeinsamen Verantwortung für humanitäre Mittel. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Entscheidungsprozesse statt einer Rollenverteilung, bei der lokale Akteure lediglich humanitäre Maßnahmen im Auftrag anderer umsetzen. 

Verantwortung für Förderprioritäten, Förderentscheidungen und Rechenschaft wird innerhalb der HLF gemeinsam von lokalen und internationalen zivilgesellschaftlichen Akteuren, den HLF-Ausschüssen sowie Help als koordinierender Organisation getragen – anstatt einseitig von einer einzelnen Institution ausgeübt zu werden.

Unsere Werte und Prinzipien

Die Arbeit der Help Localisation Facility (HLF) basiert auf den Werten Partnerschaft und Partizipation sowie Respekt und Vertrauen. Sie prägen unsere Zusammenarbeit und unser Verständnis von gemeinsamer Verantwortung, lokaler Führung und Partnerschaft auf Augenhöhe.

Daraus leiten sich die folgenden Grundsätze ab:

  • Partnerschaft auf Augenhöhe: Die HLF setzt auf langfristige und vertrauensvolle Partnerschaften zwischen lokalen und internationalen Akteuren der humanitären Hilfe. Lokale Expertise wird anerkannt und bestehende Machtungleichgewichte werden bewusst reflektiert und abgebaut.
  • Gemeinsame Entscheidungen: Lokale und internationale Akteure der Zivilgesellschaft gestalten zentrale Entscheidungen und Prozesse der HLF gemeinsam. Die gelebte Erfahrung, ihr Fachwissen und ihre Prioritäten prägen, welche Projekte der humanitären Hilfe von der HLF gefördert und wie sie umgesetzt werden.
  • Flexible und bedarfsgerechte Finanzierung: Die HLF verbindet flexible Finanzierung mit weniger bürokratischen Hürden und partnergesteuerter organisationaler Stärkung. Partnerorganisationen erhalten Gestaltungsspielräume, um Mittel entsprechend ihrer Bedarfe und Prioritäten einzusetzen. Internationale Qualitätsstandards werden gemeinsam umgesetzt und Verantwortung partnerschaftlich getragen.

Gemeinsame Entscheidungsfindung

Gemeinsame Entscheidungsfindung ist ein zentrales Merkmal der Help Localisation Facility (HLF). Lokale und internationale zivilgesellschaftliche Akteure gestalten die strategische Ausrichtung der HLF sowie Entscheidungen über Fördermittel aktiv mit. Dazu hat sich die HLF zwei sich ergänzende, partizipative Gremien eingerichtet, die gemeinsam Entscheidungsverantwortung tragen: den HLF-Steuerungsausschuss und den HLF-Förderausschuss. Die HLF-Ausschüsse bringen zivilgesellschaftliche Akteure, das Auswärtige Amt und Help in gemeinsamen Entscheidungsprozessen zusammen.

Der HLF-Steuerungsausschuss

Der HLF-Steuerungsausschuss übernimmt die strategische Steuerung und Governance der HLF. Er begleitet die strategische Weiterentwicklung der HLF als lokal geführten Förderfonds der humanitären Hilfe und stellt sicher, dass die Grundsätze der Lokalisierung, gleichberechtigter Partnerschaften und hochwertiger Finanzierung ihre strategische Ausrichtung und Governance leiten. Mitglieder sind internationale zivilgesellschaftliche Akteure, das Auswärtige Amt und Help. 

Hanna Medvedeva hat einen Masterabschluss in Politischer Kommunikation von Goldsmiths, University of London. Ihre Erfahrung in der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit sammelte sie durch die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen und diplomatischen Vertretungen von EU-Mitgliedstaaten in der Ukraine. Hanna ist Autorin thematischer Publikationen und analytischer Beiträge und beteiligt sich aktiv als Rednerin und Moderatorin an Diskussionen auf ukrainischen und internationalen Plattformen.

Bei People in Need (PIN) arbeitet Hanna an einer Vielzahl von Projekten – von globalen Initiativen bis hin zu Projekten mit direktem Bezug zur Ukraine. Auf globaler Ebene hat sie an der Entwicklung von Mechanismen für die Zusammenarbeit von PIN mit der Zivilgesellschaft mitgewirkt. Im Rahmen der Arbeit von PIN in der Ukraine war Hanna maßgeblich am Aufbau eines flexiblen Fonds zur Unterstützung ukrainischer zivilgesellschaftlicher Organisationen beteiligt, die sich aktiv in der humanitären Hilfe engagieren. Gemeinsam mit ihren Kolleg:innen initiierte und implementierte sie zudem Maßnahmen und Richtlinien, die darauf abzielen, Hindernisse für die Zusammenarbeit von PIN mit ukrainischen Hilfsorganisationen abzubauen. Damit wird dazu beigetragen, dass humanitäre Hilfe und Entwicklungsunterstützung die Menschen, die sie am dringendsten benötigen, schnell und nach einheitlichen Standards erreichen.

Hanna engagiert sich aktiv in der Arbeitsgruppe zur Stärkung lokaler Führung (Working Group on Strengthening Local Leadership), die im Rahmen der Humanitarian NGO Platform eingerichtet wurde. Darüber hinaus wirkte sie an der Entwicklung der von der Alliance of Ukrainian CSOs initiierten Strategie zur Stärkung lokaler Führung (Strategy on Strengthening Local Leadership) mit. Als Vertreterin von PIN ist Hanna außerdem Mitglied des Beirats des Humanitarian Fund for Ukraine.

Jeannette Frangieh ist eine profilierte Vertreterin der Zivilgesellschaft, Aktivistin und engagiert sich im Libanon wie auch auf internationaler Ebene für Geschlechtergerechtigkeit, humanitären Schutz und politische Reformen. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin von Himaya Daeem Aataa (HDA), einer staatlich registrierten libanesischen gemeinnützigen Organisation mit Sitz in Zgharta, die landesweit zum Schutz besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen arbeitet. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Frauen und Mädchen, die von geschlechtsspezifischer Gewalt, Vertreibung und struktureller Ungleichheit betroffen sind.

Unter Frangiehs Leitung hat sich HDA zu einer wichtigen, von Frauen geführten Organisation entwickelt, die lokalen Stimmen in der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit mehr Gehör verschafft.

Frangiehs Engagement für die Weiterentwicklung politischer Rahmenbedingungen und humanitärer Praxis spiegelt sich auch in ihrer Rolle als Co-Vorsitzende der NGO Working Group der Call to Action on Protection from Gender-Based Violence in Emergencies wider, einer globalen Multi-Stakeholder-Initiative, die sich für besser abgestimmte Maßnahmen und wirksamere politische Ansätze zur Prävention und Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt einsetzt.

Frangieh bringt ihre Advocacy-Arbeit auch auf internationalen Plattformen und in hochrangigen Dialogformaten ein, wo sie Perspektiven aus der unmittelbaren Arbeit in Krisenkontexten zu humanitärem Schutz, Geschlechterpolitik und Lokalisierung vertritt.

Albashir Adan Ibrahim ist eine erfahrene Führungspersönlichkeit in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Förderung lokal geführter humanitärer Hilfe, der Stärkung der Zivilgesellschaft und der Governance von Pooled Funds in Kenia und Somalia. Als ehemaliges Mitglied des Global Membership Committee des Start Network und Co-Vorsitzender einer Taskforce für Community Engagement and Accountability verfügt er über umfassende Erfahrung in der strategischen Steuerung, der MEAL-basierten Anpassung von Programmen und dem Management von Fördermitteln. Als Geschäftsführer zweier Organisationen verantwortete er Multi-Geber-Programme.

Als engagierter Verfechter einer stärkeren Verlagerung von Macht und Ressourcen auf nationale und lokale Akteure verfügt Alabshir über umfassende praktische Erfahrung in der Entwicklung von Ansätzen zum gegenseitigen Kapazitätsaustausch, der Stärkung der Governance lokaler Partnerorganisationen und der Leitung humanitärer Maßnahmen in konfliktbetroffenen und fragilen Kontexten.

Derzeit ist er Geschäftsführer der Organization for Sustainable Development Africa (OSDA). OSDA ist eine nationale Organisation mit Hauptsitz in Kenia und setzt Programme in fragilen Regionen am Horn von Afrika – in Kenia, Somalia und Äthiopien – um. Ziel ist es, die Resilienz von Gemeinschaften durch transformative und nachhaltige Programmarbeit zu stärken.

Albashir koordiniert zudem das Kenya Humanitarian and Resilience Network (KHRN), eine Plattform für die Zusammenarbeit regionaler Akteur:innen. Darüber hinaus ist er Mitglied der Somali Climate Action Platform (SCAP) und der FOCUS Platform, zwei lokal geführte Netzwerke in Somalia.

Vor seiner Tätigkeit bei OSDA war Albashir Geschäftsführer des Nexus Consortium Somalia, eines lokal geführten Konsortiums. Er beteiligt sich aktiv an verschiedenen Initiativen und Fachdiskussionen zu vorausschauender humanitärer Hilfe (Anticipatory Action), Triple-Nexus-Ansätzen, Klimafinanzierung, klimaresilienter Programmarbeit und Lokalisierung.

Das Auswärtige Amt ist im HLF Steering Committee als institutionelles Mitglied und Geber der HLF vertreten. Seine beiden Mitglieder wirken gemeinsam mit Vertreter:innen der Zivilgesellschaft und von Help an den strategischen Diskussionen und Entscheidungsprozessen des Committees mit. Durch seine Mitwirkung im HLF Steering Committee trägt das Auswärtige Amt zur strategischen Ausrichtung und Weiterentwicklung der HLF und ihres Ansatzes für lokal geführte humanitäre Hilfe bei.

Christian Kuijstermans ist Teamlead für den Nahen Osten und Süd-Zentralasien bei Help. Er und sein Team unterstützen die Partnerorganisationen von Help bei ihren humanitären Einsätzen. 

Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit in Afrika, Asien und Lateinamerika – sowohl in Festanstellungen als auch als freiberuflicher Berater. 

Zu seinen Fachgebieten zählen die Unterstützung der Zivilgesellschaft, der Aufbau von Partnerschaften, die Stärkung von Kapazitäten sowie Planung, Monitoring und Evaluierung. Weitere Schwerpunkte sind Menschenrechte, gute Regierungsführung und Friedensförderung.

Gritt Richter leitet die HLF seit 2025 und setzt sich dafür ein, den Zugang lokaler Organisationen zu hochwertiger und flexibler Finanzierung zu verbessern und ihre Entscheidungsmacht über die Vergabe von Fördermitteln zu stärken. 

Sie verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der internationalen Zusammenarbeit und humanitären Hilfe und war in Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika und der Karibik tätig. 

Ihre fachlichen Schwerpunkte umfassen die Stärkung und Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, gleichberechtigte Partnerschaften, Lokalisierung und lokale Führung, Gendergerechtigkeit sowie die Stärkung junger Menschen. 

Die HLF-Förderausschüsse

Die HLF-Förderausschüsse sind in jedem Land die zentralen Entscheidungsgremien für die Vergabe von Fördermitteln im Rahmen der HLF. Sie stellen sicher, dass Förderentscheidungen fair, transparent, bedarfsorientiert und unter Einbeziehung lokaler Perspektiven getroffen werden. Förderanträge werden von den Ausschüssen dabei in einem anonymisierten Review-Prozess bewertet, um Fairness, Unparteilichkeit und Chancengleichheit zu fördern und Entscheidungen ausschließlich auf Grundlage der Qualität und Relevanz der Projektvorschläge zu treffen. 

Der HLF-Förderausschuss Ukraine

Der HLF-Förderausschuss Ukraine hat seine Arbeit im April 2025 aufgenommen. Mitglieder sind lokale zivilgesellschaftliche Akteure und Help. Das Auswärtige Amt ist mit einer/m Beobachter:in vertreten.

Der HLF-Förderausschuss Syrien

Eine Ausweitung der HLF auf Syrien ist derzeit in Planung.

Zuletzt geändert am von Gritt Richter