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Helfer unterwegs - Schriftzug
Syrien

„Ich will eine Kriegerin sein, bewaffnet mit einem Lächeln“

Mein Name ist Mirna Abboud. Ich bin 27 Jahre alt und komme aus Homs. Seit 2017 arbeite ich für das Help-Team in Syrien und engagiere mich für Menschen in Not. Ich habe mich entschieden, dass ich kein Opfer dieses hässlichen Krieges sein werde. Ich will eine Kriegerin sein, bewaffnet nicht mit einem Gewehr, sondern mit harter Arbeit und einem Lächeln.

Ursprünglich stamme ich aus Homs, aufgewachsen bin ich aber in Damaskus. Wie fast jedes junge Mädchen in Syrien träumte ich während meiner Schulzeit davon, an der Universität zu studieren, viel zu verreisen und mein Diplom an einer renommierten Uni im Ausland zu machen. Doch als ich endlich meinen Schulabschluss in den Händen hielt und mich auf mein Leben als Studentin freute, brach in Syrien der Krieg aus und machte all meine Träume zunichte.

In diesem brutalen Krieg kann ich mich sehr glücklich schätzen, noch am Leben zu sein und kein enges Familienmitglied verloren zu haben. Sogar unser Haus steht noch, obwohl die Front zwischenzeitlich direkt durch unsere Nachbarschaft verlief und jeden Tag Mörsergranaten um uns herum einschlugen. In dieser Zeit verabschiedeten sich meine Mutter, meine Schwester und ich uns jeden Morgen voneinander, ohne die Gewissheit, uns am Abend lebendig wiederzusehen. Und natürlich machten wir uns ständig Sorgen, genug Essen auftreiben zu können, zumal zwischenzeitlich auch viele Verwandte bei uns Obdach suchten. 

Da ich meine Mutter unterstützen wollte, fing ich gleich nach der Schule an zu arbeiten. Unter anderem habe ich Nachhilfe in Englisch gegeben und als Buchhalterin gejobbt. Mein Vater verließ die Familie als ich neun war. Meine Mutter musste sich immer ganz allein um meine Schwester und mich kümmern. 

Neben der Arbeit begann ich mich ehrenamtlich bei verschiedenen Hilfsorganisationen zu engagieren. In mir wuchs bald der Wunsch, mein Leben ganz der humanitären Hilfe zu widmen. Im Sommer 2014 hatte ich endlich die Chance, diesen Traum zu verwirklichen. In den folgenden Jahren war ich für verschiedene NGOs in Syrien tätig, wirkte bei der Gründung von einer mit und trat im September 2017 schließlich meine aktuelle Stelle bei Help an. Zu meinen Aufgaben gehört unter anderem die Koordination eines Projekts zur Unterstützung von Familien, die vor dem „Islamischen Staat“ aus ihrer Heimat fliehen mussten.

Die Arbeit bei einer internationalen Hilfsorganisation hat mich viel gelehrt und mich zu einer stärkeren, professionelleren und besser fokussierten Version meiner selbst gemacht. In Zukunft möchte ich weiter an mir arbeiten und mich verbessern. Ich hoffe, mein bald beginnendes Studium in internationalen Beziehungen und Diplomatie wird mir dabei helfen.