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Helfer unterwegs - Schriftzug
Südsudan

Dem Südsudan droht erneut eine Hungersnot – Wie kann das sein?

Vor einem Jahr habe ich einen Beitrag mit dem Titel " Wie konnte es zur ersten Hungersnot weltweit seit 6 Jahren kommen?" geschrieben. Jetzt sieht es so aus, als stünde bereits die nächste Hungersnot im Südsudan bevor - wie ist dies möglich? 

Letztes Jahr handelte es sich um eine regional begrenzte Hungersnot. In den anderen Landesteilen wurde die Hungersnot durch den Einsatz der Vereinten Nationen und von Hilfsorganisationen verhindert. Aber das heißt noch lange nicht, dass diese Menschen genug zu essen hatten. 

So schrecklich es klingen mag, aber in diesem Jahr sind nicht „genug“ Menschen gestorben, dass die wissenschaftlichen Kriterien für eine Hungersnot bestätigt wurden. 

Vereinfacht gesagt müssen drei Hauptkriterien erfüllt sein, damit offiziell eine Hungersnot ausgerufen wird: 

  1. 20% der Haushalte besitzen keine (oder nur noch extrem wenig) Nahrung und können sich keine aus eigener Kraft beschaffen.
  2. 30% einer Bevölkerung sind stark unterernährt.
  3. Mehr als zwei Menschen aus einer Gruppe von 10.000 sterben pro Tag.

Im Südsudan haben momentan 7,3 Mio. Menschen nicht genug zu essen. Viele von ihnen befinden sich auf einer Krisen-Skala von 1-5  bei Stufe 4, welches die letzte Stufe vor einer Hungersnot ist. Das bedeutet konkret, dass diese Menschen ihre Mahlzeiten extrem rationieren müssen bis zur nächsten Ernte im August/September. Viele essen nur noch eine Mahlzeit pro Tag und in den kommenden Monaten werden sie die Mahlzeiten weiter reduzieren müssen.  

Die Krise im Südsudan hat sich dieses Jahr somit weiter verschlimmert und verantwortlich hierfür ist vor allem der immer noch währende Bürgerkrieg. 

Zusammenfassend habe ich letztes Jahr folgendes geschrieben:

" Wenn Menschen also aufgrund von Vertreibung und Krieg hungern, keinen Zugang zu ihren Feldern haben und Hilfsorganisationen keine Möglichkeit erhalten, die Hungernden zu versorgen, dann sind perfekte Bedingungen geschaffen für eine Hungersnot." 

Die Hilfsorganisation konnten zwar vergangenes Jahr für einen kurzen Zeitraum die Menschen in den schwer umkämpften Gebieten erreichen und es wurden große Anstrengungen von Helfern und  öffentlichen Gebern unternommen, um den Hunger einzudämmen, aber die grundlegenden Probleme infolge des Bürgerkrieges wurden nicht gelöst. 

Help ist unter anderem in dem Bundestaat Lakes aktiv. In Lakes und einigen anderen Regionen steht eine Hungersnot kurz bevor, aber auch dank der Projekte von Help konnte bislang Schlimmeres verhindert werden. 

Die Rahmenbedingungen haben sich seit letztem Jahr nicht geändert – außer, dass der Südsudan sich nun im fünften, statt im vierten Kriegsjahr befindet. Die Wirtschaft ist so gut wie kollabiert und statt 3,6 Mio. Südsudanesen auf der Flucht gibt es nun 4,3 Mio.

Den Schätzungen zufolge sind bisher 300.000 Menschen durch direkte Kriegsfolgen getötet worden. Der Krieg zerstört dieses fruchtbare Land wie ein Krebsgeschwür. Der Hunger wird solange nicht verschwinden, bis eine politische Lösung gefunden wird: Hilfsorganisationen müssen ungehindert helfen können und die Menschen müssen in die Lage versetzt werden in Frieden für ihre Familien sorgen zu können.