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Humanitäre Standards

Zwölf Grundregeln der humanitären Hilfe

Die im "Koordinierungsausschuss Humanitäre Hilfe" zusammengeschlossenen Hilfsorganisationen und Bundesministerien verständigten sich für ihre Zusammenarbeit auf die "Zwölf Grundregeln der Humanitären Hilfe im Ausland".

  1. Durch Katastrophen, Kriege und Krisen leiden Menschen Not, die sie aus eigener Kraft nicht bewältigen können. Die Not dieser Menschen zu lindern ist das Ziel humanitärer Hilfe.
  2. Alle Menschen haben das Recht auf humanitäre Hilfe und humanitären Schutz, ebenso wie ihnen das Recht zustehen muss, humanitäre Hilfe zu leisten und humanitären Schutz zu gewähren.
  3. Hilfe und Schutz werden ohne Ansehen von Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit, politischer Überzeugung oder sonstigen Unterscheidungsmerkmalen gewährt. Humanitäre Hilfe darf weder von politischen oder religiösen Einstellungen abhängig gemacht werden, noch darf sie diese fördern. Einziges Kriterium bei der Abwägung von Prioritäten der Hilfeleistungen ist die Not der Menschen.
  4. Die im Gesprächskreis als Träger der Hilfe mitwirkenden Organisationen und die staatlichen Einrichtungen handeln entsprechend ihren eigenen Richtlinien und Umsetzungsstrategien in eigener Verantwortung.
  5. Sie achten die Würde des Menschen bei der Durchführung ihrer Hilfe.
  6. Sie respektieren im Einsatzland geltendes Recht und Brauchtum. Sofern es bei dem Bestreben, die bestmögliche Hilfe zu leisten, mit Bestimmungen des Empfängerlandes zu Konflikten kommt, ist auf deren Beilegung im Hinblick auf das Ziel humanitärer Hilfe hinzuarbeiten.
  7. Sie werden sich, soweit wie möglich, bei Maßnahmen der humanitären Hilfe unterstützen und zusammenarbeiten.
  8. Die Hilfeleistenden verpflichten sich sowohl gegenüber den Empfängern der Hilfe als auch gegenüber denjenigen, deren Zuwendungen und Spenden sie annehmen, Rechenschaft abzulegen.
  9. Humanitäre Hilfe ist in erster Linie Überlebenshilfe. Dabei bezieht sie die Selbsthilfekräfte ein und fördert die Reduzierung der Katastrophenanfälligkeit. Sie beachtet, wo nötig, die Entwicklungsbedürfnisse.
  10. Die in der humanitären Hilfe tätigen Organisationen und staatlichen Einrichtungen beziehen von Anfang an örtliche Partner in ihre Planungen und Maßnahmen mit ein.
  11. Auch die Empfänger der Hilfe werden in die Organisation und die Durchführung der Maßnahmen einbezogen.
  12. Hilfsgüter müssen bedarfsgerecht eingesetzt werden und sollen den lokalen Standards entsprechen; ausschlaggebend für Auswahl und Sendung von Hilfsgütern darf allein die aktuelle Notlage sein. Bei der Beschaffung von Hilfsgütern ist dem Einkauf in der von der Notlage betroffenen Region der Vorzug zu geben.

Sphere Project: Die humanitären Standards

Entstehung und Zielsetzung

Das Sphere Project wurde 1997 von humanitären Nichtregierungsorganisationen und der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung gegründet. Es handelt sich um eine Initiative, die sich mittlerweile aus mehreren hundert Hilfsorganisationen weltweit zusammensetzt. Ziel des Sphere Projects ist es, die Qualität der Humanitären Hilfe zu verbessern und Mindeststandards in der Katastrophenhilfe zu setzen.
Help-Geschäftsführerin Karin Settele ist als Vertreterin von Aktion Deutschland Hilft Mitglied des Sphere-Vorstandes. Help – Hilfe zur Selbsthilfe orientiert sich an den von Sphere entwickelten Core Humanitarian Standards (CHS).
Herzstück sind die neun Selbstverpflichtungen: 

  1. Bedarfsorientierte Hilfe. Beispiel: Nach einem Erdbeben wurde gemeinsam in Gesprächen mit den Betroffenen die Schaffung von Notunterkünften in Verbindung mit Wasserversorgung und sanitären Einrichtungen als dringendster Bedarf festgestellt.
  2. Möglichst schnelle und sichere Hilfe. Beispiel: In einem abgesicherten örtlichen Rahmen erfolgt die Verteilung von Zelten, Planen und Bauwerkzeugen sowie Gutscheinen zum Einkauf von Baumaterial möglichst zeitnah und in enger Zeitabfolge. Wasserinstallationen und Latrinen werden errichtet.
  3. Keine negativen Effekte/die eigenen Kapazitäten werden durch die Hilfe gestärkt. Beispiel: Es kommt bei den Verteilungen nicht zu Konflikten. Mithilfe der erhaltenen Unterstützung beteiligen sich die Betroffenen aktiv am Aufbau ihrer Notunterkünfte, Wasserinstallationen und Latrinen.
  4. Die betroffenen Menschen werden genau über die Hilfe informiert und nehmen aktiv an den Entscheidungen teil. Beispiel: Vor den Verteilungen werden die Kriterien, wer vorrangig Hilfe erhält, gemeinsam mit den Betroffenen erarbeitet.
  5. Beschwerdemanagement. Beispiel: Die verteilten Hilfsgüter entsprechen nicht dem vereinbarten Bedarf, um damit die erforderlichen temporären Unterkünfte und die Wasserversorgung zu errichten. Durch einen entsprechend vorhandenen Beschwerdemechanismus wird die Hilfe durch weitere Verteilungen und Aufstockung der Güter angepasst.
  6. Koordinierte, komplementäre Hilfe. Beispiel: Die gleichen betroffenen Menschen erhalten nicht von zwei Hilfsorganisationen die gleiche Hilfe an Zelten und Planen, während in einem Nachbargebiet betroffene Menschen keine Hilfe erhalten.
  7. Anpassungen im Zeitverlauf. Beispiel: Bei der Verteilung von Gutscheinen zum Kauf von Werkzeugen ist davon ausgegangen worden, dass die notwendige Anzahl an Bauwerkzeugen am Markt vorhanden ist. Dies ist nur beschränkt der Fall gewesen. Die ausreichende Anzahl an Bauwerkzeugen muss auf anderem Weg zur Verfügung gestellt werden.
  8. Hilfe durch kompetente und gut ausgebildete Mitarbeiter. Beispiel: Die Helfer sind darin geschult, eine Bedarfsermittlung und Bedarfsanalyse korrekt durchzuführen und darauf basierend die Verteilung der Zelte, Planen und Gutscheine korrekt zu planen und durchzuführen.
  9. Die Hilfsorganisation setzt ihre Ressourcen effektiv und effizient für die geplante Hilfe ein. Beispiel: Spendengelder und Gelder von institutionellen Gebern werden entsprechend über den gesamten Zyklus des Projektes auf der Basis des Projektdurchführungsplans eingesetzt und kontrolliert. Auch den Betroffenen gegenüber wird der effiziente Einsatz von finanziellen Ressourcen transparent nachgewiesen.

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