Tschetschenien: Hilfe in 2010 abgeschlossen

Help in Tschetschenien

Help - Hilfe zur Selbsthilfe war vom Dezember 1999 bis September 2010 in Tschetschenien tätig.

Leistungsbilanz von Help in Tschetschenien

In zehn Jahren hat Help 27 Projekte im Nordkaukasus durchgeführt. Help half seit Dezember 1999 über einer Million Menschen. Über viele Jahre hinweg lag der Schwerpunkt auf der Verteilung von Non-Food-Artikeln wie Wolldecken, Bettlaken, Hygieneartikeln und Waren des täglichen Bedarfs. Nachdem sich die generelle Lage etwas entspannt hatte, verlagerte sich ab 2005 der Schwerpunkt von der reinen humanitären Hilfe hin zum Wiederaufbau von Unterkünften mit Selbsthilfebeteiligung und zu Einkommen schaffenden Maßnahmen. Der Wert aller Hilfsmaßnahmen belief sich auf rund 14 Millionen Euro. Unverzichtbarer Geldgeber war dabei die Generaldirektion für humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission (ECHO).

Ein persönlicher Bericht von Help-Projektkoordinator Heinz Bitsch:

Prospekt Pobedy (Die Siegesallee) in Grosny
Prospekt Pobedy (Die Siegesallee) in Grosny

Nach über 10 Jahren Projektarbeit hat Help im September 2010 die beiden Büros in Grosny (Tschetschenien) und Nazran (Inguschetien) geschlossen. Zu den traurigen Aufgaben des Landeskoordinators Harald Michalek gehörte nicht nur die ordentliche Beendigung des letzten von der Europäischen Kommission finanzierten Projektes sondern auch die Auflösung unserer Infrastruktur. Natürlich darf man nicht übersehen, dass sich speziell in Grosny in den letzten Jahren viel bewegt hat. Der Wiederaufbau ist optisch sichtbar, Grosny ist mit Sicherheit die modernste Stadt im Nord- kaukasus – auferstanden aus Ruinen ist durchaus korrekt formuliert, wenn man sich an die Zeit um 1999/2000 und die immense Zerstörung erinnert.

Viel Straßenverkehr gehört in Grosny ebenfalls zur Tagesordnung und der Wunsch des Präsidenten, dass man in den nächsten zwei Jahren in Europa Fußball spielen will, ist auch irgendwie Ausdruck von Normalisierung und Anspruch. Wie in jedem Land gibt es noch Not, aber sie ist nicht mehr großflächig sondern punktuell. Wenn auch beim Schreiber dieser Zeilen, der die Hilfsprojekte 10 Jahre lang begleitet hat, etwas Wehmut aufkommt so ist es doch für die Menschen erfreulich, dass sich für die Mehrheit die Situation spürbar verbessert hat. Wer früher in Grosny wohnhaft war und in den letzten Jahren zurück- kam, erkennt die Stadt nicht wieder.

Hilfe zur Selbsthilfe in Tschetschenien

Das Help-Team in Nazran
Die Verantwortlichen

In den letzten 3 Jahren hatten wir mit einem kleinen aber feinen Team vertrauensvoll zusammengearbeitet. Natürlich war es jetzt traurig, dass die 8 lokalen Mitarbeiter entlassen werden mussten und alle noch keine Anschlussstellung gefunden haben, denn internationale Organisationen trifft man kaum noch an und gute Jobs sind im allgemeinen rar gesät. Umso erfreulicher verlief die Projektarbeit. Wir konnten 37 Familien bei der Instandsetzung ihrer zerstörten Häuser helfen. Die Festlegung der Empfänger nahm dieses Mal erheblich Zeit in Anspruch, denn wir wollten mit dem letzten Projekt vor allem die Personen erreichen, die sehr unter den Auswirkungen des Krieges gelitten hatten und von denen wir auch überzeugt waren, dass sie sich an die Arbeit machen. Denn wir haben kein Fertighaus hingestellt sondern Baumaterialien wie Sand, Zement, Holz, Ziegel und Dachplatten geliefert und die Zielgruppe sollte dann in Eigenregie das Haus instandsetzen. Eben nach dem Motto Hilfe zur Selbsthilfe. Natürlich ging es nicht immer so schnell wie wir uns das gewünscht hätten, aber die Menschen können sich nicht zweiteilen. Man kann nicht Geld zum Lebensunterhalt für sich und die Familie verdienen und gleichzeitig die Maurerkelle in die Hand nehmen. Auch bei uns gibt es genug Menschen die ihr Häusle nach Feierabend oder am Wochenende Stück für Stück bauen.

Erfolgreicher Häuserbau

Haus von Ramzan Zakriev
Bei Ramzan Zakriev ist der Baufortschritt gut erkennbar.

Bei unserem letzten Besuch im August 2010 konnten wir feststellen, dass bei allen Häusern Fundament, Mauern und Dach fertig waren und man intensiv mit dem Innenausbau beschäftigt war. Dafür gab es von uns noch gezielt Hilfe mit Linoleum, Laminatböden, Gipskarton, Öfen, eben das, was die Menschen für sich als notwendig erachteten. Überall war zu hören, dass man noch vor dem Winter fertig werden will. Praktisch war es meist so, dass die Menschen bereits eingezogen waren bzw. auf dem Gelände in Behelfsunterkünften gelebt haben. Eines ist sicher, wir werden mit diesem Projekt keine leeren Schachteln hinterlassen, denn wir unterstützten vor allem Menschen in ländlichen Gebieten, bei denen die Eigentumsfrage geklärt war.

Help schafft Einkommen schaffende Maßnahmen

Eine andere Komponente des Projektes waren Einkommen schaffende Maßnahmen. 15 Familien, davon 7 in Grosny, erhielten eine materielle Starthilfe für ihr Gewerbe. Das Gewerbe besteht in traditionellen Dienstleistungen wie Frisör oder Schneider, andere wollen als Blechschmied, Gehplattenhersteller oder in der Metallverarbeitung Geld verdienen und für die Bäckerei und die Wäscherei sind die Aussichten auch nicht schlecht. Dreckige Wäsche gibt es überall.

Laden von Madina Sadulaeva
Diese Tante Emma heißt Madina Sadulaeva aus Grosny

Natürlich durften auch die obligatorischen – bei uns Tante Emma - genannten Läden mit Waren des täglichen Bedarfes nicht fehlen und fotokopiert wird in Tschetschenien auch. Konkret bestand die Starthilfe also in der Bereitstellung von Nähmaschinen verschiedenen Typs, Kompressor, Schweißgerät, Waschmaschine, Kopierer, PC, Drucker, Regalen, Kühlschrank, Spiegel, Stühle, Knetmaschine, Sägen und anderen Werkzeugen. Genau das, was gemeinsam mit den Empfängern als notwendig identifiziert wurde. Entsprechend unseren Befragungen im August 2010 verdienten die Menschen nach Abzug der Kosten im Schnitt um die 350 Euro im Monat. Natürlich hängt das Ergebnis letztlich auch von den Eigeninitiativen der Menschen ab und da ist es wie bei uns: es schwankt eben.