Südsudan: Täglicher Überlebenskampf begleitet den Aufbruch in eine neue Zeit

2011 war ein Jahr der Veränderungen für den Südsudan. Entsprechend des Friedensabkommens mit dem Sudan stimmten die Bürger im Süden vom 9. bis 15. Januar 2011 über ihre Unabhängigkeit vom Norden ab und beschlossen diese mit überwältigender Mehrheit. Somit etablierte sich der Südsudan als jüngster Staat der Welt und trat am 9. Juli 2011 die lang ersehnte Unabhängigkeit an.

Grenzstreitigkeiten mit dem Sudan und interne Konflikte

Die Bevölkerung des Südsudans blickt in eine ungewisse Zukunft.

Doch mit der neuen Selbstbestimmung waren die Probleme des Südens nicht gelöst. Der Südsudan steckt nach wie vor in einer gravierenden Krise, die alle Bereiche des Staates und der Gesellschaft betreffen. Noch immer hungern viele Menschen, interne Konflikte destabilisieren das Land ebenso wie Grenzstreitigkeiten mit dem Norden. Laut dem Welternährungsprogramm ist die Ernährung von etwa 4,7 Millionen Menschen nicht gesichert.

Seit der Unabhängigkeit hilft Help

Mit der Unabhängigkeit nahm Help seine Arbeit auf, um dem Südsudan bei seinen ersten Schritten als eigenständiger Staat beiseite zu stehen. Aller Anfang ist bekanntlich schwer - ein Sprichwort, das die Arbeit im Südsudan nicht mal annähernd beschreibt. 

Der junge Staat versucht seinen Weg zu finden und sich zu stabilisieren, verändert dabei aber zwangsläufig viele Regeln und Gesetze, teilweise über Nacht. Dies macht es den Hilfsorganisationen vor Ort nicht immer leicht.

Juba, die südsudanesische Hauptstadt, ist zurzeit eines der Epizentren der humanitären Hilfe – aus gutem Grund, wenn man sich die Zahlen anschaut: die Ernährung von rund 4,7 Millionen Menschen ist nicht gesichert, darunter befinden sich momentan 260.000 Inlandsvertriebene und 200.000 Flüchtlinge. Dazu kommen 405.000 Rückkehrer aus dem Sudan (etwa 500.000 Südsudanesen verbleiben noch im Sudan, welche seit dem 8. April 2012 als illegale Einwanderer gelten), Kämpfe an der Grenze zu Sudan, interne Konflikte in den südsudanesischen Bundesstaaten Jonglei und Unity State, eine katastrophale Wasserversorgung der Flüchtlingscamps in Unity State – um nur einige Probleme zu benennen.

Nothilfeprojekt in einem Vertriebenencamp

Das erste Projekt von Help unterstützte Inlandsvertriebene in Baryal.

Auf Grund der internen Konflikte, der Grenzstreitigkeiten mit dem Sudan und einem Strom an Rückkehrern aus dem Norden sind hunderttausende Menschen in Bewegung oder lassen sich in Camps nieder. Die jungen staatlichen Stellen sind überfordert und so übernahm Help als erste Maßnahme mit Hilfe einer Finanzierung des Auswärtigen Amts die Versorgung von rund 1.000 Familien in einem Vertriebenenlager namens Baryal nahe der Stadt Wau. Diese Familien sind im Mai 2011 aus der umstrittenen Grenzregion um Abyei geflohen, als sudanesische Panzer und Artillerie die Stadt und das Umland nach tagelangen schweren Kämpfen eroberten. Völlig mittellos erreichten diese Menschen schließlich Wau und wurden im Vertriebenen-Camp untergebracht. Help hat vor allem Nahrungsmittel, aber auch andere Hilfsgüter, wie zum Beispiel Matratzen dort verteilt.

Help wird den Südsudan langfristig unterstützen

Im Hinblick auf die schwelenden Konflikte, die katastrophale Nahrungsmittelversorgung und die insgesamt sehr schwierige humanitäre Lage des Landes wird sich Help langfristig im Südsudan engagieren, zunächst in der Nothilfe, dann beim nachhaltigen Aufbau des Landes. Nach der Nothilfe in Wau 2011 startete Help 2012 ein landwirtschaftliches Projekt in Western Bahr el-Ghazal sowie ein Schulprojekt in Jonglei.


Fabian Nolde, Referent Ostafrika, Bonn.