Burkina Faso: Hilfe für die Flutopfer
Ein Bericht unseres Wiederaufbaukoordinators Séverin Wangré
"Ich habe meinen Nachbarn gerufen, damit wir zusammen Gott und Help danken für den Bau unserer Unterkünfte. Wenn es regnete, stand das Wasser überall in unserem Zelt. Ich hatte ein Moskitonetz aufgehängt, aber ich musste es abnehmen, damit ich das Wasser in einem Eimer auffangen konnte. Jetzt bin ich aus dieser Armut heraus. Diebe kamen und zerrissen das Zelt, um uns auszurauben, jetzt ist diese Not vorbei … anfangs habe ich nicht einmal gehofft, ein Zelt zu bekommen, und noch weniger ein Haus.“ Fatima Simporé, 34 Jahre.
Dieser Bericht einer jungen Mutter, die zu den Überschwemmungsopfern von 2009 gehört, erinnert noch einmal an die Katastrophe vor einem Jahr: Am 1. September 2009 ab 4 Uhr morgens, hatten sintflutartige Regenfälle große Zerstörungen im Großraum Ouagadougou angerichtet. Zehntausende Wohnhäuser sowie Schulen, Industriegebäude und Gesundheitseinrichtungen wurden zerstört oder schwer beschädigt. Das Umfeld der Betroffenen wurde mit einem Schlag dramatisch verändert: Felder wurden überschwemmt, Arbeitsmaterialien von den Fluten weggerissen und Zehntausende Menschen wurden obdachlos und waren gezwungen, ihr ursprüngliches Wohngebiet zu verlassen.
Die Armut, in der die meisten der Betroffenen ohnehin schon lebten, wurde in einer Nacht nochmals um ein Vielfaches gravierender. Angesichts dieser Situation hat die burkinische Regierung ein Wiederansiedelungsgebiet erschlossen, das im Vorort Yagma, etwa 25 km vom Stadtzentrum entfernt liegt, um dort die Mehrheit der Flutopfer zunächst in Zelten, die von Nichtregierungsorganisationen bereitgestellt wurden, unterzubringen.
Im Zuge dessen hatte auch Help beschlossen, die Regierung zu unterstützen ihren humanitären Auftrag zu erfüllen, und den Betroffenen wieder ein Leben in Würde zu ermöglichen. Dank der Finanzierung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung konnte das Projekt „Unterstützung von Überschwemmungsopfern in Ouagadougou bei der Rehabilitierung ihrer Lebensgrundlagen und Bau eines Gesundheitszentrums für die umgesiedelte Bevölkerung“ ins Leben gerufen werden. Ziel dieses Projektes ist es, 300 besonders bedürftige Familien dabei zu unterstützen, ihre Häuser wieder aufzubauen, 300 Personen eine finanzielle und fachliche Unterstützung bei der Wiederaufnahme ihrer Erwerbstätigkeiten zu bieten sowie die bereits vorhandene Geburtsstation im Wiederansiedelungsgebiet zu einem den nationalen Normen entsprechenden Gesundheitszentrum umzubauen, um so allen Umgesiedelten Zugang zur Gesundheitsversorgung zu garantieren.
Die Projektaktivitäten begannen während der Regenzeit mit der Auswahl der besonders bedürftigen Familien, die zu dieser Zeit in Zelten untergebracht waren. Das Team von Help. arbeitete auf Hochtouren, denn die Unterbringungsbedingungen in der Regenzeit waren für die Betroffenen desaströs. Obwohl das Projekt bis Ende Januar 2011 dauert, setzte sich das Team das Ziel, dass alle 300 Familien Weihnachten in ihren neuen Häusern verbringen können. Heute, ein paar Tage vor Ablauf dieser Frist, haben unsere Partner vom Bauministerium 292 Häuser offiziell als fertig und den Qualitätsanforderungen entsprechend abgenommen. Die letzten Häuser sind dabei, fertig gestellt zu werden. Man muss wissen, dass in Burkina Faso der „Winter“ auch sehr kalt sein kann. Nachts sinken die Temperaturen auf bis zu 10 Grad, zusätzlich sorgen der Staub und Sand der Trockenzeit in der Luft für ein raues Klima. Oumou Nikiema, 44 Jahre, kann davon ein Lied singen: „heute haben wir vergessen, dass uns der Sand um die Ohren gepeitscht ist. Wir bitten Gott um viel Kraft, damit wir Deutschland danken können, weil ihr unsere Tränen getrocknet habt. Mittags wurde das Zelt zu einem Ofen, und nachts war es eiskalt, die Kinder husteten und wurden krank; aber jetzt sind diese Nächte der Schlaflosigkeit und des Leidens vorbei.“
Bezüglich der Unterstützung der einkommenschaffenden Maßnahmen wurde eine Marktanalyse durchgeführt, um den Hilfsempfängern zu helfen, Projekte zu finden, die ihren Erwartungen entsprachen und die ihnen ein Einkommen auf lange Sicht garantieren können. 335 Personen wurden ausgewählt und werden nun mit einer Summe von 30 bis 65 Euro unterstützt, für individuelle, kollektive oder solidarische Projekte. Unsere Mitarbeiter wurden in der Führung von kleinen und mittleren Unternehmen ausgebildet, um gerüstet zu sein und die Hilfsempfänger zu beraten und ihre Projekt zu begleiten.

Der Ansatz der Unterstützung von Help ist dabei immer partizipativer Gestalt, und dies auf allen Ebenen und in allen Projektphasen. Es wurden fünf Steuerungskommittees von jeweils 4 Frauen und Männern aus der Mitte der Hilfsempfänger gewählt, die einen klar umrissenen Aufgabenbereich haben, insbesondere die Interessen der Hilfsempfänger zu vertreten und diese für die Wiederaufbauarbeiten und die Unterstützung der einkommenschaffenden Maßnahmen zu organisieren. Die Direktion für Wohnungsbau beim Bauministerium, die Verwaltung des „Arrondissements“ von Signonghin, zu dem Yagma gehört, sowie die Direktion der „Action Sociale“ sind für uns wichtige Partner von der Konzeption bis zur Umsetzung und Evaluierung des Projektes.
Die Bauarbeiten für das Gesundheitszentrum sind so gut wie abgeschlossen und die Wasserversorgung ist seit Monaten durch den neuen Brunnen garantiert. Sowohl beim Bau der Gebäude als auch des Brunnens haben wir Wert darauf gelegt, dem durchführenden Unternehmen unabhängige Gutachter zur Verfügung zu stellen, um die Qualität der Arbeiten zu sichern.

Natürlich gibt es auch Probleme in der Umsetzung des Projektes, wie zum Beispiel verspätete Materiallieferungen. Bisher konnten diese aber durch das Engagement des Projektteams, der Partner und der Hilfsempfänger selbst ausgeglichen werden und haben keine bedeutenden Verspätungen im Gesamtablauf verursacht.
Help ist durch dieses Projekt in Bezug auf den Wiederaufbau in Yagma mittlerweile zur Referenzorganisation geworden. Anlässlich des Jahrestages des 1. Septembers 2010 wurde uns vom burkinischen Premierminister ein Zufriedenheitszeugnis des Präsidenten überreicht.
Auch wenn wir für eine große Anzahl der Überschwemmungsopfer in Yagma die Lebensumstände sehr verbessern konnten, bleibt noch viel gemeinsame Arbeit. Es fehlt an Wasserversorgung und Getreidemühlen, aber auch an Ausbildungsstätten, sozialen Einrichtungen und natürlich Arbeitsplätzen. Aber wir werden uns weiter engagieren, um aus dem Wiederansiedelungsgebiet ein Wohngebiet zu machen, in dem Kinder, Frauen und Männer gesund und in Würde leben und arbeiten und sich frei entfalten könne.

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Tel.: 0228 / 91529 - 27
E-Mail: nolde(at)help-ev.de


