Heute im Supermarket. Wir hatten Glück kurz vor Toresschluss noch schnell einkaufen gehen zu können. Hier machen die wenigen funktionierenden Supermärkte schon um 17.30 Uhr zu – aus Sicherheitsgründen.
Wir ziehen also schnell durch die Regalreihen und decken uns wieder mit Essen für die nächsten Tage ein. Wer weiß, wann wir wieder Zeit haben werden, rechtzeitig in der Stadt zu sein.
Wie aus dem Nichts werde ich von schreienden Männern, die an mir vorbei laufen angerempelt. Ein großer Tumult und Auflauf vor dem Ausgang. Schreie, laute Rufe – wir verstehen nichts. Alle sprechen Kreol. Auch ich werde von aufkeimender Panik ergriffen.
So plötzlich wie der Tumult ausgebrochen ist – so schnell ist alles vorbei. Die Leute strömen wieder zurück in den Laden. Die Kassiererinnen nehmen wieder Platz an ihren Kassen, die Pack-Boys stehen wieder bereit, die Waren in Tüten zu verstauen. Ich sehe eine kopfschüttelnde, ältere Dame – die Angst noch im Gesicht geschrieben. Unser Pack-Boy lacht erleichtert auf. Überhaupt fangen einige Menschen vor Erleichterung an zu lachen und schütteln sich die Angst aus den Gliedern:
„Es war nur das Motorengeräusch eines sehr alten Trucks, nicht das Geräusch, was die Erde macht, wenn ein großes Erdbeben kommt.“, lacht unsere Kassiererin. Sie kriegt sich gar nicht mehr ein – fast hysterisch kommt es mir vor.
Das aufkeimende Leben in den Straßen kann über eines nicht hinweg täuschen: Hier ist eine ganze Stadt im Trauma begriffen.