Aktuelle Seite:  Home  26. Januar 2010

26. Januar 2010

Das Leben geht weiter. Zwischen den Trümmern wird auf einigen Wänden karibische Malerei zum Kauf angeboten. Es ist schon sehr skurril die Zerstörung auf der einen und die farbenprächtigen und lebensbejahenden Bilder auf der anderen Seite zu sehen. Das Marktleben ist wieder voll im Gange. Während es letzte Woche nur vereinzelt Straßen mit Marktständen zu sehen gab, ist die Stadt nun übersät davon.

Wir sehen aber auch Nahrungsmittelverteilung, die von UN-Panzern geschützt werden müssen. Sie finden auf von Stacheldraht abgezäunten Plätzen statt. Nachts werden die wilden Camps von schwer bewaffneten UN-Soldaten beschützt. Die Sicherheitslage in der Stadt ist durch das Erdbeben nicht besser geworden.

Man muss bedenken Haiti zählt zu den ärmsten Ländern der Welt – marodierende Banden gab es schon immer und auch Stadtteile, die man – einmal darin verirrt, nicht unverletzt wieder verlässt. Jetzt sind die Chancen für Kriminelle an schnelles Geld zu gelangen, gestiegen. Die angelaufene internationale Hilfe bedeutet für die Bedürftigen die langersehnte Rettung, für die organisierten Banden ein Vielfaches an Beutezügen.

Der in Port au Prince aufgefahrene massive Schutz von internationaler Hilfe gibt den Verteilungen einen nie gesehenen Anstrich. Wir sehen es praktisch: wenigstens gelangt die Hilfe so an die Menschen, die sie wirklich brauchen.

Medikamente, die wir für unseren Einsatz brauchen

Meine Kollege, Gregor Werth, und ich sind zufrieden. Die medizinische Hilfe von Help – Hilfe zur Selbsthilfe e.V. entwickelt sich sehr gut. Die Ärzte operieren jeden Tag zig Patienten – die Medikamente konnten verteilt werden. Mittlerweile hat das Team um Prof. Echtermeier die Leitung des Krankenhauses vorübergehend übernommen.

Nichts desto trotz ist die Arbeit hier in Haiti eine Herausforderung für die Ärzte. Improvisieren aus Mangel an orthopädischem Spezialmaterial wird zur Kunst erhoben. Amputationen aufgrund von einer fehlenden Nachversorgung sind an der Tagesordnung. Jeder Tag bedeutet: Operieren am laufenden Band. Abends ist das Team um Prof. Echtermeier abgekämpft, aber auch zufrieden. Sie konnten ihre Fähigkeit einsetzen, den Menschen in Haiti zu helfen.