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01. Februar 2010

David Schöpfer bei der Untersuchung einer Verletzten

David Schöpfer – Eine Nothelfer-Geschichte

Er heißt David Schöpfer. Er ist 27Jahre alt und Intensivpfleger auf einer Kardiologischen Intensivstation der Freiburger Uni-Klinik. Vor einem Monat hat er eine Weiterbildung zum Anästhesie/Intensivpfleger  angefangen.

13. Januar 2010, Freiburg: David hört morgens Radio – die Nachrichten laufen: Erdbeben in Haiti, 7.0 auf der Richterskala. „Das ist heftig!“, denkt er. Nach der Arbeit informiert er sich online über die aktuelle Lage im Krisengebiet. Er ist erschüttert und will helfen. Auf der HELP-Webpage wird er fündig: Ein Ärzteteam wird zusammengestellt, es soll noch in der folgenden Woche ausfliegen.

David ist schnell entschlossen, er ruft sofort im Bonner Büro von HELP – Hilfe zur Selbsthilfe an. Er will nach Haiti, er will helfen – sein Können einsetzen, um etwas zu bewegen. Es kommt ihm vor wie ein Wunder: Alles klappt. HELP braucht noch Unterstützung und sein Arbeitgeber gibt ihm frei. „Ohne die Bereitschaft meiner Kollegen in Freiburg, hätte das nie geklappt.“, sagt David. „Gut, dass ich mich so auf sie verlassen kann. Sie haben sofort begriffen, wie wichtig mir das ist.“

22. Januar 2010, Port au Prince: Es ist heiß, überall Staub und Müll auf den Straßen. Dann die ersten zerstörten Häuser – Trümmerhaufen. David wird übel. Dabei war er noch nicht einmal im Krankenhaus. „Ob ich mir zu viel zugemutet habe.“, denkt er.

23. Januar 2010, Hôpital St. Francois des Sales: Süßlicher Leichengeruch empfängt David. Dieser wird auch die nächsten Tage, sein ständiger Begleiter. Patienten liegen in Reihen im Hof des Krankenhauses. Das Gebäude selber ist zur Hälfte zerstört. Es wird im Freien operiert, an intensive Nachsorge gar nicht zu denken. Noch ist ein Team belgischer Unfallmediziner vor Ort, die die medizinische Leitung in fester Hand haben. Sie arbeiten nach dem Prinzip der Triage, akribisch. Jeden Tag werden so viele Patienten behandelt, wie sie eben können. Unsicherheit ist hier fehl am Platz. In Krisensituationen, zeigt sich, wer unter Stress Ruhe und Übersicht bewahren kann.

Es werden Krankenblätter geführt, in denen alle Eingriffe und die Nachsorge festgehalten werden

29. Januar 2010, Hôpital St. Francois des Sales: „Die belgischen Unfallmediziner waren ein Geschenk Gottes. Insbesondere Gerd, dem Anästhesisten, verdanke ich unheimlich viel – ich habe sehr schnell alles von ihm gelernt, was man über Ketamin und seine Anwendung wissen muss.“, erzählt David.

Narkotisiert werden die Patienten ausschließlich mit Ketamin, ein Schmerzmittel und Kurznarkotikum. Geräte um die Stabilität des Patienten während der OP zu beobachten, gibt es nicht. David beugt sich über den Mund einer Patientin und kontrolliert, so ihre Atmung.

Er ist ruhiger geworden, reagiert mechanisch auf jede neue Herausforderung. Ich lese auch etwas wie inneren Frieden in seinem Gesicht: David ist seinem Anspruch, den Menschen in Haiti, zu helfen, gerecht geworden.