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Cholerakatastrophe in Simbabwe

Ein aktueller Bericht im April 2009 von Christoph Laufens, Projektkoordinator in Simbabwe.

Seit August 2008 wurden zunehmend Fälle von Cholera aus verschiedenen Gegenden des Landes vermeldet, besonders die Stadt Chitungwiza (40km von HRE entfernt) war anfänglich davon betroffen. Ursache für die Infektionen sowohl dort als dann auch im restlichen Land waren und sind hauptsächlich die unzureichende Wasserversorgung und mangelhafte Abwassersysteme sowie das nahezu nicht mehr existente Gesundheitswesen im ganzen Land.

Die nationale Wasserbehörde ZINWA (Zimbabwe National Water Authority) sieht sich mangels Chemikalien zur Aufbereitung des Wassers außer Stande, eine ausreichende Wasserversorgung für die Stadt zu gewährleisten. Einige Stadteile sind zum Teil seit Wochen ohne städtische Wasserversorgung. (Zwar soll nunmehr die Verantwortung für die Wasserversorgung an die städtischen Behörden zurück gehen, doch wird dieser Prozess noch einige Zeit in Anspruch nehmen und die Situation nicht alsbald verbessern können)

Da zudem nur selten Elektrizität zur Verfügung steht, sind die Menschen oftmals nicht in der Lage, das verschmutzte Wasser abzukochen und sehen sich genötigt, das Wasser in der verunreinigten Form zu sich zu nehmen.

Die Gesundheitsstationen sind völlig überfüllt.

Grundsätzlich ist das Auftreten der Cholera in Simbabwe nicht als außergewöhnlich zu betrachten. In den zurückliegenden Jahren ist es immer wieder zu Fällen der Krankheit gekommen. Jedoch sah sich das Gesundheitssystem des Staates stets in der Lage, die Einzelfälle unter Kontrolle zu halten und den Ausbruch einer Epidemie zu verhindern.

Dieses Gesundheitssystem ist dem Ausbruch der Epidemie nunmehr nicht mehr gewachsen, selbst die grundlegendsten Dienste können nicht mehr gewährleistet werden. Es fehlt nicht nur an benötigten Medikamenten, sondern auch an Ausstattung, Personal, Fahrzeugen und weiterer Logistik sowie an Mitteln, das noch verbliebene Personal zu bezahlen. Dies wurde selbst von staatlicher Seite eingestanden.

Bei einem vom Gesundheitsminister einberufenen Treffen am Mittwoch, dem 03.12.08, an dem neben Vertretern der Regierung auch Abgesandte verschiedener Botschaften, internationaler Geber sowie Nichtregierungsorganisationen teilgenommen haben, hat der Gesundheitsminister des Staates Zimbabwe um internationale Hilfe zur Bekämpfung des Cholera-Ausbruchs gebeten.

Ein solcher Schritt ist für die Regierung Simbabwes als durchaus bemerkenswert zu erachten.

Verseuchtes Wasser trägt zur Ausbreitung der Krankheit bei.

Inzwischen hat sich die Epidemie auf alle Provinzen des Landes ausgebreitet, die mehr oder weniger stark von der Cholera betroffen sind. Auch durch die Reisebewegungen der Stadtbevölkerung in die ländlichen Gebiete (auch, um der Cholera zu entgehen) ist es zu der flächendeckenden Ausbreitung der Epidemie gekommen. Schwerpunkte der Epidemie sind weiterhin Harare und Beitbridge, aber auch Gegenden vermelden bisweilen Besorgnis erregende Zahlen.

Den Standards der WHO zufolge gilt eine Epidemie als „unter Kontrolle“, wenn die Todesrate (Case Fatality Rate, CFR) bei 1% oder weniger gehalten werden kann. In Zimbabwe lag diese CFR jedoch zwischenzeitlich  bei über 5%; in einzelnen, vor allen ländlichen Gegenden kann diese Rate auch Ausmaße von 15% und mehr annehmen. Bis Ende März wurden 93.937 Cholera-Fälle registriert, 4.112 Menschen sind bereits an der Krankheit gestorben.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Epidemie noch nicht unter Kontrolle ist. Die Behörden des Landes sehen sich bereits genötigt, den Beginn des Schuljahres am 27. Januar 2009 zu verschieben, da nicht sicher gestellt werden konnte, dass die Schulen über ausreichende sanitäre Anlagen verfügen, damit die Kinder sich zu Beginn des Tages zumindest die Hände waschen können. Da andernfalls mit weiteren Infektionen zu rechnen ist, bleiben die Schulen voraussichtlich erst einmal geschlossen.

Erst in den letzten Wochen sind rückläufige Zahlen vermeldet worden, dies ist darauf zurückzuführen, dass die Regenzeit dem Ende zugeht und die zunehmenden Interventionen der IOs und NGOs Früchte tragen. Nichtsdestoweniger bleiben die Probleme akut und es ist auch mit einem erneuten katastrophalen Ausbruch zu rechnen, sobald es wieder zu regnen beginnt.

Bereits seit 1996 engagiert sich Help in der Gesundheits-versorgung in Simbabwe.

In diesem Zusammenhang soll auch darauf hingewiesen werden, dass die Cholera im Moment zwar ein großes Problem darstellt, dass aber nicht außer acht gelassen werden darf, dass das mangelhafte Gesundheits- und Versorgungssystem auch Risiken in Bezug auf andere Bereiche und Krankheiten birgt und dass daher ein genereller Bedarf an Unterstützung besteht. So müssen z.B. Geburten ohne den notwendigen Bestand an Decken, Schüsseln für Wasser usw. durchgeführt werden. Auch ist nach Ende der Regenzeit mit einem Anstieg von Malariafällen zu rechnen und schließlich sterben an den Folgen von HIV/AIDS und der damit verbundenen Infektionen weiterhin mehrere tausend Menschen pro Monat.

Help fördert deshalb bereits seit 1996 Gesundheitsprojekte in Simbabwe. In dieser Zeit wurden vor allem in ländlichen Bereich zahlreiche Kliniken gebaut und Gesundheitsstationen mit lebenswichtigen Medikamenten und medizinischem Material versorgt. In der akuten Cholerahilfe hat Help bisher 15 Tonnen an Medikamenten und Infusionen bereitgestellt. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und der Stadt München werden im Stadtbezirk Harare 12 Polikliniken, die 40.000 Patienten im Monat behandeln können, mit Hygieneartikeln wie Reinigungsmitteln, Handschuhen und Schutzkleidung ausgestattet. Weitere medizinische Projekte von Help betreffen HIV/Aids-Patienten und ihre Familien.

Help führt aber nicht nur medizinische Hilfsprojekte durch, sondern arbeitet gemeinsam mit anderen Hilfsorganisation an einer allgemeinen Verbesserung der Situation für die notleidende Bevölkerung in Simbabwe. So unterstützte Help alleine im Jahr 2008 27.800 Familien mit Saatgut, Dünger und Nahrungsmitteln. Zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung wurden 450 Brunnen in ländlichen Gebieten gebaut oder rehabilitiert, 12 Grundschulen wurden mit Solarpumpen ausgestattet.