Geschrieben von Nina Lammsfuss am 29. März 2011
Abgelegt unter Gesundheit, Wiederaufbau
Am 21. Februar 2011 bin ich in Haiti am Flughafen von Port-au-Prince gelandet.
Ich mache in Haiti im Rahmen meines Studiums ein Praktikum bei Help – Hilfe zur Selbsthilfe e.V. Was mich genau erwartete, wusste ich nicht. Silja, eine Kollegin, empfing mich am Flughafen und wir machten und auf den Weg in Richtung Petit-Goâve, dort befindet sich unser Projektstandort in Haiti. Wir fuhren mit dem Auto mitten durch Port-au-Prince und ich muss zugeben, dass ich etwas geschockt war. Wir fuhren an riesigen Zeltunterkünften vorbei, überall lag Müll und Schutt und Kinder wurden am Straßenrand in total verdrecktem Wasser gewaschen. Da ich die Situation direkt nach dem Erdbeben nur über die Medien in Deutschland verfolgen konnte, hatte ich natürlich keinen konkreten Vergleich, aber ich fragte mich: „ Ist das Erdbeben wirklich schon über 1 Jahr her? Was hat sich seitdem genau hier getan?“.
Jetzt bin ich schon seit fast 4 Wochen in Haiti und habe sehr viele Erfahrungen gesammelt und einen ersten Überblick über die tatsächliche Situation erhalten können. Direkt in meiner ersten Woche fuhr ich mit Gregor Werth, dem Projektleiter hier vor Ort, nach Darbonne in eines der Help-Projekte in Haiti. Dort befand sich das Epizentrum des Bebens. Help baut hier 500 neue Häuser. Davon sind schon 64 Häuser fertiggestellt. Die Familien saßen um ihr neues Haus herum und lachten mich freundlich an. An einem Haus hatte die Familie sogar schon einen kleinen Vorgarten angelegt, ein anderes Haus war von der Familie selbst mit Wellblech erweitert worden. Dieses war für mich eine sehr schöne Erfahrung, da ich sah: Es tut sich etwas!
Einige Tage später fuhren wir in ein weiteres Projekt in ein Stadtviertel von Port-au-Prince. Auch hier setzt sich Help dafür ein, die Menschen aus den Zeltlagern rauszubekommen und ihnen neue Häuser zu geben. Viele wohnen zwar bis jetzt noch in den Notunterkünften, aber Help arbeitet täglich hart daran, diese Situation so schnell wie möglich zu verändern. Mir ist hier erst einmal klar geworden, wie viel eigentlich hinter so einem Projekt steckt. Help hat in Petit-Goâve eine eigene große Werkstatt, in der die Häuser hergestellt werden. Danach werden die fertigen Hauselemente auf einen Truck geladen und zu den einzelnen Projekten ins Feld gefahren. Dort werden die Häuser innerhalb von 6 Tagen mit Fundament von lokalen Mitarbeitern aufgebaut. Help schafft also somit auch viele Arbeitsplätze in Haiti, was meiner Meinung nach ganz wichtig für eine nachhaltige Entwicklung ist.
Vor ein paar Tagen habe ich eine Schule besucht, die Help in Haiti nach dem Erdbeben wieder aufgebaut hat. Dieses Projekt ist schon fast abgeschlossen. Ich hatte die Möglichkeit am Physikunterricht teilzunehmen. Das war für mich eine tolle Erfahrung. Auch wenn die Gegebenheiten hier natürlich ganz anders sind, als an deutschen Schulen, ist es schön zu sehen, dass die Kinder Spaß am Lernen haben und durch die Bildung eine bessere Zukunftsperspektive.
Ich denke, es ist wichtig zu sehen, dass die Projekte von Help – Hilfe zur Selbsthilfe so viel Gutes erreichen, wie es hier vor Ort möglich ist und, dass sich die Menschen auch gegenseitig immer besser helfen können.
Nina Lammsfuss, 22, studiert Geografie an der Universität zu Köln.
1 Kommentar »

am 31. März 2011 um 16:09 1. Andre schrieb …
Ein bewegender Beitrag. Toll wie sich Frau Lammfuss und Help in Haiti engagieren. Es ist schade, dass solche Katastrophen in der deutschen Medienlandschaft immer schnell wieder in Vergessenheit geraden und damit vermutlich auch die Spendenbereitschaft nachlässt