Ruanda – erste Eindrücke der diesjährigen Schülerreise

Geschrieben von Werner Eyßer am 28. Juli 2010 | Abgelegt unter Bildung

werner-eysser Schon fast eine Woche sind wir jetzt in Ruanda. Wir haben aber erst seit gestern eine Internetverbindung – allerdings mit einigen Problemen.

Ruanda steht im Zeichen der Kampagne zur Präsidentenwahl am 9. August. Hier in Ruli waren am Donnerstag fast alle Geschäfte geschlossen, viele Menschen versuchten ins etwa 20 km entfernte Gakenke zu kommen, denn dort fand eine Veranstaltung mit dem amtierenden Präsidenten und haushohen Favoriten Paul Kagame statt. Taxis und die wenigen privaten Autobesitzer waren verpflichtet (?) Interessenten nach Gakenke zu transportieren. Aber viele liefen zu Fuß. Abends hörten wir immer wieder Gesang im Dorf – die begeisterten Rückkehrer.

ruli Sonst bekommen wir im täglichen Leben hier in den Bergen nicht so viel von der Kampagne mit, nur vereinzelt tragen die Leute Kagame-Shirts, einige Fahrradtaxis fahren Fähnchen der Regierungspartei RPF spazieren. Ganz anders bei unserem Besuch in Kigali am Freitag.

Leider hatten wir kurz vor Kigali eine Panne an Gallicans Geländewagen. An der ersten Tankstelle am Eingang Kigalis mussten wir länger als eine Stunde auf die Reparatur an der Aufhängung des rechten Vorderrades warten. Eine interessante Zeit, denn direkt gegenüber wurde eine Wahlveranstaltung –natürlich für Kagame- vorbereitet und die Interessenten strömten in Massen heran. Da standen zuerst einmal die Muzungus, die Weißen, im Vordergrund, die um ihr kaputtes Auto herumstanden. Aber gegenüber wurden alle Register gezogen. Eine riesige und dementsprechend laute Musikanlage, wie hier üblich eine Tribüne für die Ehrengäste, Fahnen und Luftballons weithin sichtbar, von einer Art Disco-Bulli wurden Fähnchen und Poster verteilt, Lieder für Kagame gespielt… Nachmittags, beim Tanken vor der Rückfahrt, konnten wir den Menschenstrom in die andere Richtung beobachten, jetzt mit RPF-Fähnchen und T-Shirts. Abenteuerlich die Busse, in die sich geschätzt vier Menschen pro Sitzplatz zwängten.

wahlschein-2003 In der Hauptstadt sind die Straßen und Plätze in den RPF-Farben geschmückt. Kagame-Plakate überall. Im Nakkumat, dem größten modernen Shopping-Center im aufstrebenden Kigali werden an einem Sonderstand Kagame T-Shirts, RPF-Polos, Tassen und andere Werbeartikel angeboten – und die Leute drängen sich. In den Fernsehnachrichten wird „neutral“ berichtet, auch die Gegenkandidaten werden gezeigt und kommen zu Wort. Aber Paul Kagame vor mehr als 40000 begeisterten Fans im Fußballstadion, die anderen mit vielleicht 200 Anhängern irgendwo auf einer Wiese. Gestern Abend dann auch noch ein Live-Konzert aus dem Amahoro-Stadion im TV. Mit Koffi Olomide, dem Superstar aus dem Kongo. Und was singt er zwischen seinen Hits? „Tora Kagame!“ (Wähle Kagame!) Und wer ist auf der Tribüne und lässt sich feiern? Paul Kagame.

junge-leute Wenn wir mit den politisch sehr interessierten ruandischen Freunden sprechen, hören wir immer, dass Paul Kagame trotz einiger Kritik an ihm der richtige Mann auf der richtigen Position ist. Das sieht auch der allergrößte Teil der Bevölkerung so. Deshalb wird er die Wahl haushoch gewinnen, dass ist jetzt schon klar. Darum kritisieren auch einige diese Kampagne wegen des eingesetzten Geldes, das ja im armen Ruanda besser genutzt werden könnte. Wirklich?

Wir haben den Eindruck, es geht gar nicht so sehr um den ohnehin feststehenden Sieg, in dieser Kampagne geht es um das in Ruanda 16 Jahre nach dem Völkermord so wichtige Gemeinschaftsgefühl, um Identität, um das Einschwören auf gemeinsame Ziele. Wir beobachten und diskutieren weiter.

Wichtig: Alles läuft hier friedlich ab, von Auseinandersetzungen haben wir nichts gesehen oder gehört. Natürlich sind Polizisten auf den Straßen zu sehen, besonders bei der Großveranstaltung. Militär haben wir bisher aber kaum gesehen. Wir fühlen uns absolut sicher.

Ein Kommentar zu “Ruanda – erste Eindrücke der diesjährigen Schülerreise”

  1. am 11. Juli 2011 um 10:54 1.Schülerreisen schrieb …

    ein sehr ungewöhnliches Ziel als Schülerreise.

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