Suppenküche – Ein Dejà Vu der anderen Art

Geschrieben von am 6. Oktober 2010
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blogsarajevo1 Sarajevo 2010: Eine Stadt der Shoppingcenter mit teuren Geschäften, Werbetafeln an jeder Ecke, Cafés und Restaurants, die zum Verweilen einladen, geschäftiges Treiben in den Straßen und elegant gekleideten Frauen, die mit der neusten Gucci-Tasche auf dem Laufsteg des Lebens flanieren.

Es ist aber auch eine Stadt der unzähligen Einschusslöcher an den Häuserwänden, Granatlöcher in den Straßen, der Roma Kindern, die an Kreuzungen zwischen wartenden Autos betteln, der Kriegsinvaliden und der alten Menschen mit zerschlissenen Kleidern, die Falten tief ins Gesicht gegraben. Im zentralen Park spielen alte Männer Freiland-Schach, heftig über den nächsten Zug und die Unfähigkeit der Politiker debattierend.

sarajevo1995 Rückblende 1995: Es sind Suppenküchen, die Help als eine der ersten Hilfsmaßnahmen einrichtet, damit insbesondere ältere Menschen, wenigsten eine warme Mahlzeit am Tag haben. In den Suppenküchen wird auch Obst und Gemüse verteilt und zur Weihnachtszeit ein Christstollen. Für viele sind es die ersten frischen Lebensmittel seit drei Jahren. Die Freude darüber, stand in ihr Gesicht geschrieben.

Im Fokus der 28. September 2010: Anlässlich des 15-jährigen Bestehens eröffnet Help seine erste Wirtschafts-Messe im zentralen Park in Sarajevo. Das Wetter ist hervorragend, einer der letzten schönen Spätsommertage. Die Klienten des sozio-ökonomischen Programms sind bereits am Tag vorher angefahren, viele kommen von weit her. Sie breiten ihre Produkte auf den Ständen aus, erwarten heute, gute Geschäfte zu verrichten. img_4333 Die Vielfalt der Produkte und Dienstleistungen ist groß: Es ist das typische eingeweckte Obst und Gemüse, Honigprodukte, Kosmetikartikel aus einheimischen Kräutern, aber auch der Kunstschmied mit seinen handgetriebenen Pfannen, Hufeisen oder Feuerstellen, der Veranstalter von Wildwasserrafting-Touren und die Kunst-Schneiderin mit den traditionellen, wie auch modernen Mode-Artikeln.

Zur Feier des Tages lädt Help zu einem Empfang im zentralen Park ein. Die Liste der geladenen Gäste ist erlesen: Der deutsche Botschafter gibt sich die Ehre, der Abgesandte der Europäischen Union, viele Angehörige der hiesigen Botschaften, sowie ranghohe Minister und Bürgermeister der Departements in Bosnien und Herzegowina und diverse Mitarbeiter internationaler Geberorganisationen.

img_4407 Der Empfang beginnt: Die Geladenen bedienen sich höflich am Buffet und wenden sich alsbald weiteren interessanten Gesprächen zu. Das Gelände abzusperren und zu sichern lag Help fern.

So wird der Empfang zum „bunten Stell-Dich-Ein“ der Passanten und Freunde des Freiland-Schachs. Und plötzlich fällt allen das bunte Treiben am Buffet auf. Alle Gäste sind erstaunt und beglückt über das offenherzige Teilen der Speisen. Die Schach-Partie wird offiziell für einen Imbiss unterbrochen, und wer weiß, für wie viele es die erste feste Nahrung an diesem Tag war? Eine Art Volksfeststimmung kommt auf und wir stellen fest, dass sowohl die geladenen Gäste als auch die spontan Empfangenen mit einem höchst zufriedenen Lächeln den Empfang verlassen.

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